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Tanner Earp

Trophic Cascade: Beautifully Blurred

Zwischen Leidenschaft und Natur

Für Jason Fitzgibbon verschwimmt die Grenze zwischen Leidenschaft und Beruf auf wunderschöne Weise. Als Wildtierbiologe und Umweltberater untersucht er die feinen Fäden, die ganze Ökosysteme zusammenhalten. Als Mountainbiker findet er in denselben Landschaften Klarheit, Inspiration und das tiefe Gefühl, genau dort zu sein, wo er hingehört. Was seine Arbeit und seine Leidenschaft verbindet, ist kein Zufall. Es ist Ursache und Wirkung: der Rhythmus des Pedalierens, die geschärfte Wahrnehmung draußen in der Natur und das Bewusstsein, Teil von etwas Größerem zu sein.

Seine Liebe zur Natur begann früh, genährt durch den Respekt seines Vaters für das Draußensein. Wirklich entfacht wurde sie jedoch auf einer Mountainbike-Tour als Teenager. An der Seite eines Biologen namens Roy lernte Jason, Vögel an ihren Rufen zu erkennen und Kiefern an der Form ihrer Zapfen und Nadeln zu unterscheiden. Diese Fahrt war ein Wendepunkt: Sie öffnete ihm die Augen für die verborgene Vielfalt der Landschaften, die er so liebte und machte aus Neugier eine Berufung. Von da an war Biologie für ihn nicht mehr nur ein Interesse, sondern eine Lebensaufgabe.

Heute konzentriert sich Jason auf Bombus crotchii, die Crotch-Hummel, eine der am stärksten bedrohten Bestäuberarten Kaliforniens. Einst weit verbreitet, steht sie nun kurz davor, unter das California Endangered Species Act zu fallen. Ihre bevorzugten Blütenpflanzen wachsen im Coastal Sage Scrub, einem Lebensraum, der durch Bebauung und Landwirtschaft bereits über 80 % seiner ursprünglichen Fläche verloren hat. Der Rückgang dieser Hummel ist mehr als nur ein Symbol; er zeigt, dass ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. Sie zu schützen bedeutet, eines der seltensten und bedrohtesten Vegetationssysteme Kaliforniens, und die vielen Arten, die davon abhängen, zu bewahren.

Jason nennt sich selbst einen „zynischen Optimisten“. Als Ökologe sieht er täglich, welchen Schaden der Mensch in der Natur angerichtet hat. Trotzdem glaubt er fest daran, dass Optimismus, wenn auch vorsichtig dosiert, nötig ist, um etwas zu bewegen. Sein Ansatz: Land schützen, schädliche Nutzungen minimieren und Ökosystemen erlauben, sich selbst zu regulieren. Dabei geht es ihm nicht darum, Menschen von der Natur fernzuhalten, sondern um Bedingungen, unter denen Wildnis und Freizeit nebeneinander existieren können.

Naturschutz verläuft selten geradlinig. Bestände schwanken, Erfolge brauchen Zeit, und Fortschritte sehen oft eher nach Pausen als nach Siegen aus. Doch manchmal kommen die richtigen Werkzeuge genau im richtigen Moment zusammen. Jason hat erlebt, wie Citizen-Science-Plattformen wie Seek und iNaturalist den Naturschutz verändert haben. Bei zwei geplanten Bauprojekten führten hochgeladene Beobachtungen der Crotch-Hummel von ganz normalen Menschen dazu, dass die Arbeiten gestoppt und neue Umweltprüfungen eingeleitet wurden. Diese kurze Pause schuf Raum für gründlichere Analysen und stärkere Schutzmaßnahmen. Für Jason ist das der Beweis: Naturschutz gehört nicht nur den Wissenschaftlern. Er gehört jedem, der bereit ist, hinzusehen und das Gesehene zu teilen.

Wer Zeit mit Jason verbringt, spürt die Spannung zwischen Realismus und Staunen. Er weiß, wie zerbrechlich Ökosysteme sind und wie groß die Herausforderungen scheinen können. Doch er ist auch der Fahrer, der innehält, um Vogelrufe zu hören oder eine Blüte genauer zu betrachten. Er wird nicht von Angst, sondern von Ehrfurcht angetrieben. „Kein Tag vergeht, an dem ich nicht über etwas staune, das ich sehe“, sagt er. Dieses Staunen hält ihn in Bewegung – auf dem Bike wie auch im Feld.

Sein Rat an andere Rider ist einfach: Langsamer werden und genauer hinsehen. Nimm einen Feldführer oder eine App wie Seek oder Merlin mit auf deine Tour. Lerne die Blumen, die Vögel, die Insekten kennen. Mach aus deiner Feierabendrunde mehr als nur ein Training. Mach sie zu einer Unterhaltung mit der Landschaft, durch die du fährst. Trails verändern sich mit den Jahreszeiten, und wenn du darauf achtest, wird jede Fahrt zu einer neuen Geschichte, die sich um dich herum entfaltet. „Je besser wir die Orte verstehen und schätzen, an denen wir fahren“, sagt Jason, „desto besser können wir sie schützen. Und viele dieser Orte brauchen genau das – Fürsprecher.“

Jasons Arbeit erinnert uns an eine Wahrheit, die jeder Rider spürt: Die Freude am Fahren hängt untrennbar mit der Gesundheit der Orte zusammen, die wir lieben. Wenn Trails voller Leben sind, wenn Bienen summen, Pflanzen blühen und Vögel singen, fühlt sich jede Fahrt reicher, lebendiger an. Den Lebensraum von Arten wie der Crotch-Hummel zu schützen, ist mehr als Wissenschaft. Es ist ein Akt der Fürsorge dafür, dass unsere Trails auch in Zukunft das bleiben, was sie heute sind: lebendig, wild und unendlich wertvoll.

Denn am Ende geht es nicht nur ums Fahren.
Es geht um die Welt, die das Fahren möglich macht.

Folge Jason auf Instagram, um seine Projekte rund um Naturschutz und Riding zu verfolgen.