Skip to main content
Kelsey Timpany on Tasmanian trail

Kelsey Timpany

Tasmanien

Das Mountainbike-Paradies am Ende der Welt

Als ich zum ersten Mal in Tasmanien gelandet bin, wusste ich ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet. Oft als der „vergessene Bundesstaat Australiens“ bezeichnet, vor allem für seine raue, wilde Schönheit bekannt – ein Ort, der so weit hinter der Zeit liegt, dass er irgendwie wieder voraus ist.

Klar, ich hatte von der wachsenden Bike-Szene gehört – Derby, Maydena, St. Helens stehen bei vielen MTB-Fans inzwischen ganz oben auf der Bucket List, seit hier in den letzten zehn Jahren ordentlich in Trails investiert wurde. Aber dass auch die Hauptstadt Hobart ein echtes Juwel ist, damit hatte ich nicht gerechnet.

Was ich gefunden habe, war eine Stadt mit wilden, natürlichen Trails direkt unter dem mächtigen Kunanyi (Mount Wellington) und eine Community, die den Outdoor-Lifestyle lebt wie kaum woanders. Ein Ort, den ich nicht wusste, dass ich ihn brauche.

Das Herzstück der Hobarter MTB-Szene ist ganz klar Mount Wellington, oder auf Palawa Kani, der Sprache der First Nations in Tasmanien, einfach „Kunanyi“. Dieser ikonischer Berg, mit seinen 1.271 m über der Stadt, formt nicht nur die Skyline, sondern auch fast jeden Trail in der Umgebung.

Vom Aussichtspunkt „The Springs“ droppt man satte 680 Tiefenmeter bis runter zur Cascade Brewery, wo übrigens jede gute Tour endet.

Was die Trails hier besonders macht: Es gibt keinen Hochglanz-Bikepark-Vibe. Hier bist du allein mit dem Gelände, umgeben von kreischenden Kakadus, Wallabies auf den Trails und im Sommer auch mal einer Schwarznatter. Es ist wild. Es ist echt.

Am Südhang von Hobart findest du ein dichtes Netz aus All-Mountain-, Enduro- und XC-Trails, die sich durch Eukalyptuswälder, moosige Schluchten und über blanken Granit ziehen.

Die größte Herausforderung ist nicht das Gelände, sondern die Entscheidung, in welche Richtung du dropst. Und dabei den Wildlife-Verkehr in den Blindkurven zu checken.

Im Sommer ist es hier trocken, staubig und schnell. Und nach dem Regen: griffiger Dirt, perfekte Traktion, volle Kontrolle. Genau unter diesen Bedingungen habe ich die Trails getestet – auf meinem Pivot Mach 6. Der perfekte Begleiter für Tasmanien: Mullet-Setup für die engen, steilen Abschnitte, genug Federweg zum Abziehen und eine Geometrie, die auch den Aufstieg zum Kunanyi easy wegsteckt.

Einer der Klassiker vor Ort: Red Wine – ein Local-Favorit, bei dem du erst durch leuchtend grünen Wald cruist, bevor es in eine feuchte, griffige Trailwelt aus Wurzeln, Felsen und flowigen Burns geht.

Meine neue Obsession? Ein Trail namens Pubes. Steil, technisch und mit dem klassischen „choose your line and commit“-Vibe. Mein liebster Style: huck and hope. Und das Mach 6? Match made in heaven.

Die Szene in Hobart ist eng vernetzt. Du siehst alles, von Kids im Downhill-Outfit, die im klassischen Aussie-Style im Toyota Land Cruiser geshuttlet werden, bis zu den Hardtail-Puristen (natürlich ohne Dropper Post). Und dann gibt’s uns: die Thrill Seeker. Viele von uns sind Ex-Pros oder stille Helden auf zwei Rädern. Alle auf der Jagd nach diesem einen Moment, der sich anfühlt wie früher, in den Glory Days.

Es gibt diese unausgesprochene Regel. Wenn du jemanden am Trailhead siehst – sag G’day.

Viele der Trails hier sind über Jahre hinweg von Locals gebaut worden – manche offiziell, andere eher so… „inoffiziell“. Aber alle spiegeln die wilde Seele dieses Ortes wider. Und am Fuße von Kunanyi wartet das perfekte Ziel: Cascade Brewery, Australiens älteste Brauerei und fester Bestandteil der Hobart-Trailkultur.
Hier gibt’s nicht nur Bike-Racks vor historischer Kulisse, sondern auch eiskaltes Bier für 6 Dollar zur Happy Hour. Muss man mehr sagen?

Tasmanien entwickelt sich schnell zum Disneyland des Mountainbikens in der südlichen Hemisphäre und Hobart ist nur ein kleiner Vorgeschmack. Wilder Boden. Trail-Vielfalt. Atemberaubende Kulisse. Und ein wachsendes Netzwerk an gebauten Trails, das sich hinter nichts auf dem Festland verstecken muss.

Aber für mich ist Hobart der Ort, wo alles zusammenkommt, wo Wildnis auf Kultur trifft, wo die Tour mit einem kalten Bier oder einem Sprung ins Meer endet. Und wo eine Community von Gleichgesinnten jeden Tag mit Schaufel, Herzblut und zwei Räder etwas ganz Besonderes formt.

Wenn Tasmanien noch nicht auf deiner Liste steht – setz es drauf. Jetzt.